Fragestellung
und Forschungsstand
Der
Personenkult, der sich, vor allem seit seinem Tod gezielt von der GMD
entwickelt, in China um Sun rankte, fand im Westen kaum Widerhall. So ist denn
auch die erste kritische westliche Biographie nach seinem Tod von dem
Bemühen getragen, zu einer realistischen Einschätzung Suns zu
kommen.[2]
Die nachfolgenden Studien konnten bei ihren immer weiter gehenden Sun-Demontagen
auf diesem gut recherchierten und hellsichtigen Werk aufbauen. Die
wohlwollenderen Analysen relativierten vor allem Suns Bedeutung für die
Revolution, in anderen wurden darüber hinaus Zweifel an seinem – in
der chinesischen Tradition stets strapazierten – selbstlosen, bescheidenen
und ehrlichen Charakter deutlich.[3]
In
jüngerer Zeit hat sich ein Ansatz entwickelt, der auf charakterliche
Urteile weitgehend verzichtet, sondern eher Suns Charisma und Propagandatalent
würdigt, ohne dabei seine Bedeutung als Akteur der Revolution zu
überschätzen.[4]
Es
liegt nahe, diesen neuen Ansatz auch jenseits der Sun-Biografik aufzugreifen und
das Augenmerk auf die autobiografischen Darstellungen selbst zu richten.
Die
besseren (der westlichen) Biografinnen und Biografen Suns stellen sich schon
seit langem die Frage nach dem Quellenwert der autobiografischen Texte
Suns.[5]
Zu meinem Erstaunen fand sich bisher aber nicht eine Untersuchung – sei es
als Buch oder als Zeitschriftenartikel – die sich der autobiografischen
Texte in systematischer und übergreifender Weise angenommen hätte.