Die
Autobiografie für Giles
Suns
Londoner Kidnapping-Abenteuer zeitigte noch ein etwas kurioses und weniger
beachtetes Resultat. In Cambridge hatte zur gleichen Zeit der Sinologe Herbert
A. Giles sein
Chinese
Biographical Dictionary beinahe
fertiggestellt.[61]
Giles war nicht zu versunken in das alte China, um mitzubekommen, was sich in
London abgespielt hatte. In einem Brief an James Cantlie bat er diesen um
biografisches Material über Sun Wen, um einen Eintrag über ihn in sein
Werk aufnehmen zu können. Cantlie gab Sun den Brief und schlug ihm vor,
selbst darauf zu antworten, was jener auch
tat.[62]
Suns
Schreiben an Giles, in der Literatur gelegentlich als
Autobiography
bzw.
自傳
zizhuan
(Autobiografie)
bezeichnet,[63]
wurde verfasst im November 1896, also höchstens einen Monat nach seiner
Befreiung und etwa zeitgleich mit Kidnapped in
London.[64]
Es umfasst ca. 1.000 Schriftzeichen und ist in der zeitüblichen, mit
umgangssprachlichen Anteilen durchsetzten, Schriftsprache
(文言
wenyan)
verfasst und im Original nicht interpungiert. Englische Eigennamen sind in
chinesischer Transliteration und, jeweils daneben in Suns Handschrift, auf
englisch wiedergegeben. Am Beginn des Textes ist in einer anderen Handschrift
"The Life of Sun
Yat-Sen, by himself" zugefügt, am
Schluss, in einer vermutlich dritten Handschrift
"See
London
& China
Telegraph, 26 Octr.
1896".[65]
Diese beiden Ergänzungen stammen wohl von Giles bzw. einem Assistenten.
Die
Handschrift ist ansehnlich und mit individuellem Ausdruck. Auch der sprachliche
Stil zeugt von einer guten traditionellen Ausbildung: Sun beherrscht völlig
die gängigen Wendungen und Floskeln. Angesichts seiner halb chinesischen,
halb englisch-amerikanischen Schulbildung schreibt er verblüffend gut. Der
Text weist insgesamt vier Schreibfehler auf, zwei davon bei englischen
Schulnamen.