Inhalt
Die
lange Unterzeile stellt Sun als Präsidenten der Republik China und den
Organisator der größten Revolution der Welt
vor.[95]
Der folgende Artikel,
"taken down from
Sun Yat Sen's own lips [...] and signed by
him"[96]
sei geeignet, viele fehlerhafte Darstellungen in der Presse zweier Kontinente
richtig zu stellen.
Der
Ich-Erzähler Sun berichtet chronologisch über sein
Leben:Bis zum Alter von 18 habe
sich sein Leben nicht von dem anderer Jugendlicher seiner Klasse unterschieden,
mit dem Unterschied, dass sein Vater Angestellter der London Missionary Society
gewesen sei und er dadurch Kontakt zu Missionaren gehabt und Englisch gelernt
habe. Dr. Kerr von der Anglo-American Mission habe ihm eine Anstellung
verschafft und ihn auf den Weg einer medizinischen Ausbildung gebracht. Mit der
Gründung des College of Medicine in Hongkong habe er sich dort
eingeschrieben. Nach fünf glücklichen Jahren habe er 1892 sein Studium
bei Dr. Cantlie abgeschlossen und sich als Arzt in Macao niedergelassen. Bis zu
diesem Zeitpunkt habe er sich nicht für Politik interessiert. Frustriert
vom Berufsverbot in Macao und der fehlenden Informationsfreiheit in China am
Vorabend des Chinesisch-Japanischen Krieges 1894-95, sei er, der von den
europäischen Freiheiten gekostet habe, Mitglied der
"Young China
Party"
[97]
geworden und habe nach seinem Wechsel nach Guangzhou dort einen Zweig der
"Kao-lao-hui"[98]
gegründet. Nachdem er schon auf der schwarzen Liste des Kaiserhofes
gestanden habe, sei bekannt geworden, dass Kaiser Guangxu geneigt sei,
"to favour our
reforms". Sofort habe er eine Petition
verfasst, hunderte von Unterschriften darauf gesammelt und sie nach Beijing
gebracht. Eine Zeitlang sei in der Schwebe geblieben, wie der Kaiser darauf
reagieren würde. Dann habe jedoch in Guangzhou eine Demonstration gegen
diverse Missstände stattgefunden, die vom Gouverneur als Rebellion
betrachtet worden sei. Die Anführer seien verhaftet worden, er sei jedoch
entkommen. Im Folgenden wird der Aufstand von Guangzhou 1895 geschildert, dessen
erstes Ziel die Befreiung der Gefangenen gewesen sei. Guangzhou habe erobert und
gehalten werden sollen, bis die Petition gehört und ungerechte Steuern
zurückgenommen worden seien. Im Folgenden wird der Verlauf der
Vorbereitungen und das Scheitern des Aufstands geschildert, Suns Flucht via
Macao und Hongkong nach Japan. Die Chronologie folgt im Wesentlichen der
Darstellung in
Kidnapped in
London.
Sun
erklärt nun, wovon er in den folgenden Jahren gelebt habe:
"Fortunately, friends provided me with funds,
and here I must mention the constant fidelity of wellwishers to the great cause
I have all these years endeavoured to promote. But then, fortunately, apart from
travelling, my wants are few. I have often for weeks together lived on a little
rice and water, and I have journeyed many hundreds of miles on
foot."[99]
Auf
diesen Exkurs folgt die ebenfalls aus
Kidnapped in
London vertraute Verwandlung seines
Äußeren in Kobe,
"a step of great
importance". In vielen Situationen habe
es ihn gerettet, für einen Japaner gehalten worden zu sein.
In
Honolulu, wo er sich anschließend für sechs Monate aufgehalten habe,
sei er von den vielen Landsleuten, die er dort angetroffen habe, mit offenen
Armen empfangen worden.
"They knew all about my exploits, and they
also knew that a big price was placed on the head of the notorious 'Sun Wen'. In
the town of Honolulu I held a sort of levée every day, and I received
letters and reports from my friends, the members of the Reform Party, the
Kao-lao-hui."[100]
Anschließend
sei er nach San Francisco gereist und habe eine triumphale Reise durch Amerika
unternommen. Die Entführungsepisode in London 1896 fasst Sun nur kurz
zusammen, sie sei
"already known
fully to the world". Nach einiger Zeit
des Reisens und Studierens in London und Paris habe er gemeint, nach China
zurückkehren zu müssen, er sei dort gebraucht worden . Nach seiner
Rückkehr habe er sein Land
"in a state of
ferment" vorgefunden. Die schreckliche
Phase des Boxeraufstands habe er lehrend und schreibend in China verbracht,
beseelt vom Glauben an die Unausweichlichkeit der Revolution. Sein Leben sei
täglich in Gefahr gewesen, nun auch bedroht von den (Boxer-) Extremisten,
die die "ausländischen Teufel" und jegliche europäische Zivilisation
aus China vertreiben wollten.
In
diese Phase sei auch seine Begegnung mit Homer Lea gefallen. Lea habe Sun seine
Hilfe angeboten, nachdem er ihn reden gehört hatte. Am Akzent habe er Lea
als Amerikaner erkannt, ihn aber für einen Missionar oder Studenten
gehalten. Anschließend habe ein Freund ihn auf Nachfrage aufgeklärt:
"[...] 'that', said he, 'is Colonel Homer Lea,
one of the most brilliant – perhaps
the
most brilliant military genius now alive. He is a perfect master of modern
warfare'."[101]
An
dieser Stelle schiebt der Autor mehrere Anekdoten ein, die Suns gefahrvolles
Leben in der Illegalität in China mit hohen Preisgeldern, die auf seinen
Kopf ausgesetzt waren, veranschaulichen sollen. Die erste dieser Anekdoten soll
sich in Nanjing an Bord einer Dschunke abgespielt haben: Ein armer Mann habe ihn
dort gegen eine Belohnung von 5.000 Dollar verraten wollen. Nachdem Sun ihm klar
gemacht habe, dass seine und alle Kinder
"for thousands of
years" arm blieben, wenn er ihn
verrate, sei der Mann beschämt weggegangen und habe sich umgebracht. Eine
weitere Geschichte berichtet von zwei jungen Beamten in Guangzhou, die mit
Soldaten gekommen seien, um Sun festzunehmen. Er habe, als sie im Zimmer
standen, begonnen, aus einem der
"sacred
books" vorzulesen, daraufhin habe sich
eine mehrstündige Debatte entwickelt. Am Ende seien die Beamten gegangen
mit den Worten:
"That is not the
man we want. He is a good man, and spends his life healing the
sick."[102]
Nicht
alle Häscher seien durch Überzeugung zu gewinnen gewesen – einige
hätten seine Bewacher auch töten müssen. Mittlerweile spiele es,
im Unterschied zu vor zehn Jahren, keine Rolle mehr, ob er getötet
würde oder nicht: Die Revolution sei mit oder ohne ihn unaufhaltsam
geworden, China werde binnen kurzem
"take her place
amongst the civilized and liberty-loving nations of the
world." Auch, ob er allein oder
gemeinsam mit Yuan Shikai die neue chinesische Regierung leiten werde, sei
für ihn ohne
Bedeutung.
Nach
dem Ende des Boxeraufstands habe er sich eine neue Rolle gesucht: die des
"canvasser for
political
funds".[104]
Er habe ganz Amerika bereist und alle führenden Bankiers Europas besucht,
um mindestens eine halbe Million Pfund Sterling zusammenzubekommen
– weniger wäre ein Fehlschlag gewesen. Seine Gesandten seien in alle
Viertel vorgedrungen. Viele Auslandschinesen hätten ihm ihre gesamten
Ersparnisse geschenkt.
Unterdessen
habe er die Entwicklungen in China stets im Auge behalten. Nach dem Tod der
Kaiserinwitwe Cixi habe er gewusst, dass das Schicksal Yuan Shikai
begünstigte.
"But I also knew
that he could do nothing without
me."[105]
Yuan habe ihm bereits ein Jahr zuvor die Zusammenarbeit angeboten, er habe ihm
aber nicht getraut. Anderenfalls hätte die Revolution früher
stattgefunden und er wäre schon in Beijing, denn
"I can count upon
millions of followers. They will follow me to the death, as they have long
followed my
teachings."[106]