Worüber
Sun schweigt
Auch
in den
Reminiscences
schweigt sich Sun über seine Familie und sein Privatleben aus. Bis auf den
Vater, den er als Missionsangestellten darstellt, kommt kein Familienmitglied im
Text vor. Würde man nur diese Selbstdarstellung kennen, käme man kaum
auf die Idee, dass Sun verheiratet und Vater dreier Kinder war.
Auch
Konkurrenten, Mitstreiter und Freunde werden nicht bzw. nicht namentlich
genannt. Ausnahmen sind Suns westliche Unterstützer, vor allem Homer Lea.
Seine wichtigsten Konkurrenten – gleich, ob aus dem eigenen oder dem
gegnerischen Lager – handelt Sun besonders perfide ab: Er verschweigt sie
nicht nur, sondern versucht sie aus dem historischen Gedächtnis
auszulöschen, indem er ihre Geschichte mit der seinen
verschmilzt.
Bis
auf den Aufstand von Guangzhou 1895 sucht man auch weitere direkte
revolutionäre Aktivitäten Suns in diesem Text vergebens. In der Zeit
des Boxeraufstands will Sun zwar in China gewesen sein, aber nur in Sachen
"speaking and
writing and
lecturing".[120]
Nach dieser Phase sei er zum Geld Beschaffen nach Amerika und Europa gegangen
und habe die Entwicklungen in China aus der Ferne beobachtet – dem Text
zufolge bis zur Revolution. Dieser sehr kurz gehaltene letzte Teil der
Erzählung vermittelt den Eindruck, Sun sei während des
vorausgegangenen Jahrzehnts lediglich der Geldbeschaffer der Oppositionsbewegung
gewesen. Damit steht er in auffälligem Kontrast zu seinem Anspruch, der
zentrale Anführer der Revolution zu sein. Es scheint, dass Sun unwillig
war, genauere Informationen zu den letzten zehn Jahren zu geben, oder dass das
Interview des
Strand
Magazine-Reporters hier abgebrochen
wurde.