Rezeption
in China
In
China blieben Suns
Reminiscences,
wie nicht erstaunen kann, nach ihrem Erscheinen unbemerkt. Das erleichterte es
den späteren Sun-Historiografen, den Artikel bis heute ganz oder teilweise
zu ignorieren. In keiner mir bekannten chinesischsprachigen Sun-Biografie, ganz
gleich, ob taiwanisch oder volksrepublikanisch, findet sich eine Erwähnung
des Artikels.
In
der taiwanischen Werkausgabe
國父全集
Guofu
quanji ist der Text, als einzige der in
dieser Arbeit behandelten autobiografischen Darstellungen, nicht
enthalten.[126]
Im
SZQJ
sind die
Reminiscences
ungekürzt in chinesischer Übersetzung unter dem Titel
我的回憶
Wo de
huiyi (Meine Erinnerungen)
wiedergegeben.[127]
Auf diese Übersetzung verweisen auch das
SZCD,
SZNP
und
SZNPCB.[128]
Alle drei Werke bringen Textzitate, beschränken sich dabei jedoch auf die
nicht-autobiografischen Passagen des Textes. Besonders Suns Einschätzung,
im gegenwärtigen Stadium der Revolution käme es auf ihn nicht mehr an,
wird von allen wiedergegeben. Während im
SZNP
der sonstige Inhalt gar nicht erwähnt und im
SZNPCB
lapidar mit der Bemerkung abgehandelt wird, Sun habe
"eine allgemeine
Schilderung seiner
Revolutionserlebnisse" gegeben, deutet
王學珍
Wang Xuezhen, der Verfasser des betreffenden Lexikoneintrags im
SZCD,
der, was die Inhaltsangabe betrifft, ganz ähnlich verfährt, den
problematischen Inhalt mit der Formulierung
"Etliche in dem
Gespräch genannte geschichtliche, Sun betreffende Fakten bedürfen noch
der textkritischen
Untersuchung"immerhin
an.[129]
Die
chinesische, vor allem die taiwanische, Sun-Historiografie muss mit den
Reminiscences
große Probleme gehabt haben. Denn die bloße Andeutung, Sun Wen, der
von der Guomindang-Propaganda bereits in den 1920er Jahren als bescheiden,
unbestechlich und aufrichtig kanonisiert worden war, könne ohne Not gelogen
haben, versetzte die GMD schon 1930 in Panik und ist bis in die jüngste
Zeit ein Tabu
geblieben.[130]
Suns Selbstdarstellung in diesem Text geht jedoch weit über gerade noch
akzeptable Notlügen hinaus.