Entstehung
und Publikation
Der
Ortswechsel markierte zugleich den Beginn einer neuen Phase in Suns Leben: Er
tauschte die Marschallsuniform gegen das Gewand eines chinesischen Gelehrten,
zog sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurück und begann, seine
Theorien und Pläne in zusammenhängender Form
aufzuschreiben.
Dieser
Rückzug bedeutete keinesfalls, dass Sun plante, sich zur Ruhe zu setzen.
Vielmehr arbeitete er an der Reorganisation der
Revolutionspartei,[133]
die mit der Herausgabe seiner Schriften in engem Zusammenhang zu sehen ist. Sun
sah die Revolution, die 1911 begonnen hatte, zu diesem Zeitpunkt als gescheitert
an. Das Alte niederzureißen war vergleichsweise einfach gewesen – der
Aufbau einer Republik dagegen war bisher ein Fehlschlag. Er wollte nun das
theoretische Fundament legen, auf dem die Republik aufgebaut werden sollte. Und
er wollte die Definitionsmacht über die Strukturen eines künftigen
China nicht aus der Hand geben. Dazu sollte die Partei stärker als bisher
auf ihn ausgerichtet werden und zugleich die Funktion einer politischen
Avantgarde übernehmen. In den Statuten der neuen Partei, auf die ein Eid zu
leisten war, waren die Realisierung der
三民主義
San min zhuyi
(Drei Doktrinen vom
Volk)[134]
und der
五權憲法
Wu quan
xianfa (Die
Fünf-Gewalten-Verfassung) als Ziele festgeschrieben. Und diese Ziele
verband Sun unauflöslich mit seiner Person:
"My San Min Chu I and the five-power
Constitution can also be known as Sun Wen's revolutionary [principles].
Therefore, to obey me is to submit to the revolution which I advocate. An if one
follows my revolution, naturally one should [also] obey
me."[135]
Ein
Ziel seiner Editionsarbeit war also auch, sich zu einem Zeitpunkt, als seine
reale Macht fast auf dem Nullpunkt war, durch die Profilierung als Theoretiker
und Vordenker eine neue Legitimation zur Führung der Partei zu verschaffen.