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Himmlische Auserwähltheit

Sun biegt die Geschichte des Zusammentreffens mit den Cantlies in Honolulu und seinen Englandaufenthalt an zwei Stellen ein ganz klein wenig zurecht, sodass seine Rettung durch Cantlie zu einer ganz wundersamen, nur durch himmlische Fügung erklärlichen Geschichte wird. Zunächst stellt er seine Englandreise als im Rahmen seiner "Weltreise" bereits vorher geplant hin. Als nächstes unterstellt er, er wäre in London sonst gar nicht in Kontakt mit Cantlie getreten, weil er gar nicht hätte wissen können, dass dieser wieder aus Hongkong zurück sei.
Sicher hatte Sun Glück, in Cantlie einen Freund zu haben, der nicht nur hartnäckig, sondern auch einflussreich genug war, seine Befreiung zu bewirken. Aber was hier anklingt, fügt sich mit den anderen Darstellungen Suns zu dieser Episode zu dem Gesamteindruck, dass ihm die Rettung aus dieser Gefahr als Zeichen erschien, vom Himmel eingesetzt zu sein, um China zu erlösen.
Ein noch deutlicherer Beleg für sein Selbstbild als Erlöser Chinas findet sich kurz danach: Nachdem er im Anschluss an den Londoner Zwischenfall 1896 studienhalber zwei Jahre in Europa verbracht habe, habe er gesehen, dass er dort nicht seine vom Himmel auferlegte Pflicht erfüllen könne, die Revolution voranzubringen, weil es seinerzeit in Europa kaum Chinesen gegeben habe. Deshalb habe er dort keine weitere Zeit vergeudet.[175]
Dieses messianische Selbstbild des Jahres 1918 unterscheidet sich nicht von dem des jungen Sun Wen 1896 in London, wie es die Autobiografie für Giles erkennen lässt.[176]

[175] SZQJ, Bd.1, S.232.
[176] S. Kap. 2.3.2. dieser Arbeit.