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Übersetzungen

Die vermutlich erste Übersetzung des SWXS erfolgte 1926 unter dem Titel Sun Yat Sen: Aufzeichnungen eines chinesischen Revolutionärs ins Russische.[188] Der Herausgeber hat eigenmächtig etliche Umstellungen, Titeländerungen etc. vorgenommen. So wurden z.B. das erste und zweite Kapitel ausgetauscht, weil, wie Karl August Wittfogel vermutet, man "es peinlich fand, ein Werk Sun Yat Sens mit einer Abhandlung über die Verdienste der chinesischen Küche zu eröffnen."[189] Der Beginn des ursprünglich ersten Kapitels musste in der Folge in die Einleitung verschoben werden. Das 6. Kapitel (hier: Kap. 4 und 5) wurde zweigeteilt, das 7. Kapitel (hier: Kap. 6) in Die Ursachen der chinesischen Armut umbenannt. Als 7. Kapitel der russischen Edition ist ein Entwurf für die Entwicklung der chinesischen Industrie eingeschoben, der im Original die Einleitung des zweiten Teils des JGFL bildet.
Ich schildere diese Manipulationen deshalb so ausführlich, weil sich daran beweisen lässt, dass die 1927 erschienene englische Übersetzung unter dem Titel Memoirs of a Chinese Revolutionary nicht auf dem chinesischen Original, sondern auf der russischen Übersetzung basiert.[190] Das Inhaltsverzeichnis dieses Buches stimmt genau mit der russischen Edition überein. Im Vorwort findet sich der oben genannte Einschub aus dem ursprünglichen 1. Kapitel. Das 8. Kapitel (YZJC) heißt hier The Revolution is the Path to the Regeneration of China (How the Kuomintang Organised the Chinese Revolution).
1927 erschien auch die oben bereits genannte Übersetzung in den von Wittfogel herausgegebenen Aufzeichnungen. Wittfogel zeigt sich verärgert über die russische Editionspraxis, verwendet aber selbst als Basis für seine Publikation eben diese, von G. Iversen ins Deutsche übertragene, Fassung, die er von seinem Mitarbeiter Luo Liangju wieder dem Original näher bringen ließ. Wittfogel stellt seinerseits den Text um, den er auch gar nicht komplett vorlegt, legt seine Editionspraxis und die Gestalt des Originals dabei aber ausführlich dar.
YZJC übersetzt er im Vorwort wörtlich mit "Wenn man den Willen hat, führt man es zu Ende." Als Überschrift verwendet er für den gleichen Text den von ihm als griffiger empfundenen Titel Aufzeichnungen eines chinesischen Revolutionärs (Wie die Mandschu-Dynastie gestürzt wurde).
Im gleichen Jahr veröffentlichte Tsan Wan, Lektor für chinesische Sprache an der Universität Leipzig, eine eigene Übersetzung des YZJC unter dem Titel 30 Jahre chinesische Revolution, die als erste westliche Übersetzung für sich in Anspruch nehmen kann, keine Sekundärübersetzung aus dem Russischen zu sein.[191] Er teilt den im Original nicht untergliederten Text in 14 Kapitel plus Vorwort ein, bleibt ansonsten aber eng an der Vorlage.
1929 legte Leonard Shihlien Hsü eine weitere Übersetzung des YZJC unter dem Titel Autobiography of Dr. Sun Yat-sen vor.[192] Diese Ausgabe diente u.a. Sharman als Quelle für ihre Sun-Biografie, in der sie den Text folglich auch stets als "Autobiography" referenziert.

[188] W. Wilenski Sibiriakow (Hg.), Sun Yat Sen: Aufzeichnungen eines chinesischen Revolutionärs (1926). [Nach Sun, Aufzeichnungen eines chinesischen Revolutionärs, hg. v. Karl August Wittfogel, Wien u.a. 1927, S.153].
[189] Sun, Aufzeichnungen, S.156.
[190] Sun-Yat-Sen, Memoirs of a Chinese Revolutionary, New York 1970 (OA London 1927).
[191] Sun Yat-Sen, 30 Jahre chinesische Revolution, Berlin 1927.
[192] Leonard S. Hsü, Autobiography of Dr. Sun Yat-sen, in: China Tomorrow (Beijing), 20. Sept. 1929.
Siehe auch The Autobiography, in: Leonard Shihlien Hsü (Hg.), Sun Yat-sen. His Political and Social Ideals. A Source Book, Los Angeles 1933.